Kurz: Ancestry für die Verwandtensuche (3× größere Datenbank), MyHeritage für europäische Wurzeln. Preise mit Prüfdatum, Abo-Kosten, Datenschutz.
| Kriterium | AncestryHöhere Wertung | MyHeritage |
|---|---|---|
| Gesamtwertung | 79/100 | 74/100 |
| Preis | ab 69 €geprüft am 14.10.2026 | ab 89 €geprüft am 14.10.2026 |
| Ergebnis nach | 3–4 Wochen | 3–4 Wochen |
| Speicherort | USA | USA/EU |
| Weitergabe an Dritte | Ja | Ja |
| Löschung möglich | Ja | Ja |
| Genauigkeit | 90 | 84 |
| Datenschutz | 62 | 60 |
| Preis | 80 | 88 |
| Service | 85 | 66 |
| Ausführlicher Test | Ancestry im Test → | MyHeritage im Test → |
Die kurze Antwort
Für die reine Verwandtensuche gewinnt Ancestry, und zwar deutlich: Die Datenbank ist rund dreimal so groß, und bei DNA-Matching entscheidet die Zahl der Getesteten alles Übrige. Für einen feiner aufgeschlüsselten Herkunftsbericht und für europäische Wurzeln ist MyHeritage die vernünftigere Wahl. Beim Kit-Preis liegt je nach Aktion mal der eine, mal der andere vorn; die geprüften Preise stehen oben in der Tabelle. Wenn dir Datenschutz wichtiger ist als Reichweite, ist die ehrliche Antwort: keiner von beiden.
In unserer Gesamtwertung liegt Ancestry mit 79 von 100 Punkten vor MyHeritage mit 74. Der Abstand entsteht fast vollständig bei Genauigkeit und Service — beim Preis dreht sich das Verhältnis um.
Datenbankgröße: der Unterschied, der wirklich zählt
Bei einem Herkunftstest kannst du die Analysequalität kaum beeinflussen — beide Anbieter nutzen vergleichbare Chip-Technologie. Was du beeinflusst, ist die Datenbank, in der deine Probe landet. Und dort ist der Abstand groß: Nach der unabhängigen Erhebung von The DNA Geek (Stand März 2026) liegt Ancestry bei rund 30 Millionen Kits, MyHeritage bei etwa 9,6 Millionen. Ancestrys Datenbank ist damit größer als alle übrigen Genealogie-Datenbanken zusammen.
Warum das so schwer wiegt: Ein DNA-Match entsteht nur, wenn dein Verwandter zufällig denselben Anbieter gewählt hat. Bei dreifacher Datenbankgröße findest du im Schnitt schlicht mehr — und vor allem nähere — Verwandte. Diese Zahl ist deshalb kein Nebenkriterium, sondern bei Ahnenforschung das Hauptkriterium.
Ein Gegenargument gibt es trotzdem: Ancestrys Nutzerbasis ist stark auf den englischsprachigen Raum konzentriert. Wenn deine Familie seit Generationen in Deutschland, Österreich, Polen oder der Schweiz lebt und niemand ausgewandert ist, ist der Vorsprung in der Praxis kleiner als die Gesamtzahl vermuten lässt. MyHeritage hat anteilig mehr europäische Nutzer:innen.
Herkunftsanalyse: MyHeritage schlüsselt feiner auf
Hier dreht sich das Bild. Ancestry unterscheidet nach eigenen Angaben 146 Regionen und über 3.600 genauer eingegrenzte Orte. MyHeritage nennt rund 79 Ethnien und bricht das Ergebnis über die sogenannten Genetic Groups auf mehr als 2.100 geografische Gruppen herunter — die feinere Aufschlüsselung im Direktvergleich.
Ob das ein Vorteil ist, hängt von deinen Wurzeln ab. Für ost- und südosteuropäische oder jüdische Linien liefert MyHeritage erfahrungsgemäß brauchbarere Ergebnisse. Für Mitteleuropa gilt bei beiden dieselbe Grenze des Verfahrens: Die Bevölkerungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ähneln sich genetisch so stark, dass eine feine Aufschlüsselung innerhalb dieses Raums kaum möglich ist. Wer eine exakte Zuordnung „63 % Bayern" erwartet, wird bei beiden enttäuscht.
Und generell gilt: Prozentangaben zur Herkunft sind Schätzungen gegen eine Referenzstichprobe, keine Messwerte. Beide Anbieter aktualisieren ihre Referenzdaten regelmäßig; dass sich deine Werte danach verschieben, ist normal und kein Fehler.
Preis: Entscheidend ist das Abo, nicht das Kit
Die aktuellen Kit-Preise mit Prüfdatum stehen oben in der Tabelle. Wichtiger als der Aufkleber ist aber, wie beide Anbieter Geld verdienen: Der Test ist bei beiden die Eintrittskarte, das Abonnement das eigentliche Produkt.
Ohne Abo bekommst du bei beiden deine Herkunftsschätzung und deine DNA-Matches. Sobald du wissen willst, wer diese Matches sind — also historische Aufzeichnungen durchsuchen und einen Stammbaum ernsthaft aufbauen —, brauchst du ein kostenpflichtiges Abo. Bei Ancestry ist dieser Schritt teurer und praktisch unumgänglich, weil der Dokumentenbestand dort das eigentliche Kapital ist. MyHeritage ist im Einstieg günstiger und flexibler.
Bei MyHeritage lohnt sich außerdem Geduld: Rabattaktionen laufen dort sehr regelmäßig, oft mit deutlichen Nachlässen. Wenn du keinen Termin hast, warte auf eine Aktion. Achte nur darauf, dass der oft kostenlose erste Abo-Monat rechtzeitig gekündigt wird, wenn du ihn nicht behalten willst.
Datenschutz: beide schwach — aber nicht gleich schwach
Das ist der Punkt, den die meisten Vergleiche auslassen, und für uns ein Kriterium mit 30 % Gewicht. Beide Anbieter verarbeiten außerhalb der EU und schneiden bei uns schlechter ab als spezialisierte europäische Anbieter: Ancestry kommt auf 62 von 100, MyHeritage auf 60 — beides keine guten Werte.
Ancestry gibt nach eigenen Angaben Daten an externe Anbieter weiter; wie viele Unternehmen im Ergebnis Zugriff haben, bleibt intransparent. 2019 erhielt das Unternehmen einen Big-Brother-Award deutscher Datenschützer. MyHeritage verteilt die Verarbeitung auf USA und EU, formuliert die Weitergabe an Dritte aber weniger eindeutig, als es sein sollte. Löschen lassen sich Konto und Daten bei beiden — achte darauf, die Löschung der DNA-Daten und die Vernichtung der Probe separat zu verlangen, denn „Konto schließen" ist nicht dasselbe.
Ein Gedanke, der über beide hinausgeht: Der Fall 23andMe hat 2025 gezeigt, dass eine genetische Datenbank im Insolvenzfall zur Verhandlungsmasse wird und ein Gericht darüber entscheidet, nicht die Menschen, deren DNA darin liegt. Je größer eine Datenbank, desto größer dieser Hebel. Und weil dein Test immer auch Verwandte auffindbar macht, betrifft die Entscheidung nicht nur dich.
Für wen sich was eignet
Nimm Ancestry, wenn dein Ziel Verwandtensuche und ernsthafte Stammbaumarbeit ist, wenn deine Familie ausgewandert ist oder Bezüge in den englischsprachigen Raum hat — und wenn du die Abo-Kosten von vornherein einkalkulierst.
Nimm MyHeritage, wenn deine Wurzeln in Ost- oder Südosteuropa liegen, wenn dir ein fein aufgeschlüsselter Herkunftsbericht wichtiger ist als die maximale Trefferzahl oder wenn du ein günstigeres Abo für die Stammbaumarbeit suchst.
Nimm keinen von beiden, wenn Datenschutz dein wichtigstes Kriterium ist. Dann führt der Weg zu einem Anbieter, der in der EU verarbeitet — in unserem Vergleich ist das EasyDNA mit 95 von 100 Datenschutz-Punkten. Der Preis dafür ist ehrlich benannt: Dort gibt es keine Verwandtensuche, weil es keine große Nutzerdatenbank gibt. Du tauschst Reichweite gegen Datenhoheit.
Wie beide Anbieter bei Genauigkeit, Datenschutz, Preis und Service im Detail abschneiden, steht im Anbieter-Vergleich — welcher Maßstab dahintersteht, unter So bewerten wir.
Häufige Fragen
Kann ich meine Ancestry-Ergebnisse zu MyHeritage übertragen?
Nein, nicht mehr. MyHeritage nimmt laut eigener Hilfeseite (Stand Mai 2026) keine Rohdaten anderer Anbieter mehr an, und Ancestry hat es nie getan. Wer in beiden Datenbanken suchen will, braucht beide Tests. Für die reine Verwandtensuche reicht meist Ancestry, weil dort die größte Datenbank ist; für europäische Wurzeln kann MyHeritage die bessere erste Wahl sein.
Welcher Test ist genauer?
Bei der reinen Laboranalyse nehmen sich beide wenig — es kommt vergleichbare Chip-Technologie zum Einsatz. Unterschiede entstehen bei der Auswertung: Ancestry hat die größere Referenzdatenbank, MyHeritage die feinere regionale Aufschlüsselung. In unserer Bewertung liegt Ancestry bei der Genauigkeit mit 90 zu 84 Punkten vorn.
Brauche ich bei beiden ein Abo?
Für die DNA-Ergebnisse selbst nicht — Herkunftsschätzung und DNA-Matches bleiben ohne Abo zugänglich. Für historische Aufzeichnungen und die volle Stammbaumarbeit brauchst du bei beiden ein kostenpflichtiges Abo. Bei Ancestry wiegt das schwerer, weil dort der Dokumentenbestand den eigentlichen Wert ausmacht.
Finde ich als Deutsche:r überhaupt Verwandte?
Ja, aber mit gedämpften Erwartungen. Beide Datenbanken sind stark angelsächsisch geprägt. Nahe Verwandte findest du am ehesten, wenn Teile der Familie ausgewandert sind. Für rein mitteleuropäische Linien sind Treffer meist entferntere Cousins — nützlich für die Forschung, selten die spektakuläre Entdeckung.
Was passiert mit meinen Daten, wenn der Anbieter verkauft wird?
Dann gehört die Datenbank zur Verhandlungsmasse. Genau das ist 2025 bei 23andMe passiert: Nach dem Insolvenzverfahren gingen die Vermögenswerte samt genetischer Datenbank an eine andere Organisation über. Wer das vermeiden will, sollte die Löschung seiner Daten und die Vernichtung der Probe aktiv verlangen — beides ist bei Ancestry und MyHeritage möglich.
Quellen
- Database Sizes — März 2026 (Ancestry ~30 Mio., MyHeritage ~9,6 Mio. Kits) · The DNA Geek (unabhängige Erhebung) · abgerufen am 29.7.2026
- AncestryDNA — Regionen-Update auf 146 Regionen · Ancestry · abgerufen am 29.7.2026
- Genetic Groups — 2.114 geografische Gruppen · MyHeritage · abgerufen am 29.7.2026
Preise und Anbieterangaben ändern sich. Wenn dir etwas Veraltetes auffällt, schreib uns an info@dnatest.de.