
23andMe im Test
Stark bei Gesundheit
Bewertung im Detail
Vorteile
- Umfangreiche Gesundheitsberichte
- Hohe Analysequalität
Nachteile
- Datenschutz historisch kritisiert
- Höchster Preis im Test
23andMe im Test: Top bei Gesundheit, kritisch beim Datenschutz
Fazit
23andMe liefert die detailliertesten gesundheitsbezogenen Auswertungen im Vergleich und eine sehr feine Herkunftsanalyse. Trotzdem steht der Anbieter mit 66 von 100 Punkten auf dem letzten Platz — und der Grund ist der Datenschutz, mit 48 Punkten der schlechteste Wert im Test. Wer hier bestellt, sollte die Einstellungen zur Datenverwendung aktiv steuern und die Vorgeschichte kennen.
Wie wir bewerten
Unsere Gesamtnote setzt sich aus vier Teilnoten zusammen: Genauigkeit und Datenschutz zählen je 30 %, Preis und Service je 20 %. Was in jede Note einfließt, steht offen auf unserer Methodik-Seite. Wir betreiben kein eigenes Labor und verschicken keine Kits — wir prüfen öffentlich belegbare Angaben, Preise und Datenschutzbedingungen und ordnen sie ein.
Insolvenz und Verkauf: was 2025 passiert ist
Das ist der wichtigste Teil dieses Tests. 23andMe meldete 2025 Insolvenz nach Chapter 11 an. Am 14. Juli 2025 wurden die Vermögenswerte — einschließlich der genetischen Datenbank — vom TTAM Research Institute übernommen, einer gemeinnützigen Organisation, die von der früheren 23andMe-Chefin Anne Wojcicki gegründet wurde. TTAM hat zugesagt, die bestehende Datenschutzrichtlinie einzuhalten; die Möglichkeiten, Daten zu löschen, der Forschungsnutzung zu widersprechen und die Vernichtung der Probe zu verlangen, bestehen weiter. Der Dienst läuft normal.
Warum wir das so ausführlich schreiben: Der Vorgang hat eine Frage beantwortet, die vorher hypothetisch klang. Eine genetische Datenbank ist ein Vermögenswert. Geht ein Unternehmen insolvent, wird sie Teil der Insolvenzmasse — und wer sie am Ende bekommt, entscheidet ein Gericht, nicht die Menschen, deren DNA darin liegt. Im konkreten Fall ist das Ergebnis vergleichsweise gutartig ausgefallen. Garantiert war das nicht.
Das ist kein Argument gegen DNA-Tests. Es ist ein Argument dafür, die Frage „wo liegen diese Daten und wer könnte sie eines Tages besitzen?" vor der Bestellung zu stellen — und genau deshalb gewichten wir Datenschutz mit 30 %.
Genauigkeit: 88/100
Technisch stark. Die Analyse läuft in einem CLIA-zertifizierten und CAP-akkreditierten Labor — der US-Standard für klinische Laboratorien. Die Herkunftsanalyse ist mit einer sehr großen Zahl unterschiedener Regionen die feinste im Vergleich.
Eine wichtige Einordnung zum Gesundheitsteil: Ein Teil der Berichte erfüllt die Anforderungen der US-Behörde FDA für genetische Gesundheitsrisiken, ein anderer Teil beruht auf 23andMe-eigener Forschung und ist von der FDA nicht geprüft. Beide erscheinen im selben Interface. Wer die Ergebnisse liest, sollte wissen, dass sie nicht denselben Prüfstatus haben.
Datenschutz: 48/100 — die schlechteste Note im Test
Die Daten liegen in den USA. Ein großer Teil der Kundschaft stimmt der Forschungsnutzung zu; aggregierte, pseudonymisierte Daten werden mit Pharmaunternehmen geteilt. Das ist rechtlich sauber und wird transparent kommuniziert — aber es ist ein Geschäftsmodell, bei dem deine Daten Teil des Produkts sind, nicht nur Gegenstand der Dienstleistung.
Praktisch heißt das: Die Zustimmung zur Forschung ist optional und lässt sich widerrufen. Wenn du 23andMe nutzt, geh die Datenschutzeinstellungen einmal bewusst durch, statt die Voreinstellungen zu übernehmen. Löschung des Kontos, Widerspruch gegen die Forschungsnutzung und Vernichtung der Probe sind drei getrennte Vorgänge.
Ein Punkt, der über dich hinausgeht: Deine DNA verrät auch etwas über Eltern, Geschwister und Kinder, die nie gefragt wurden. Bei einem Anbieter mit dieser Datenverwertung wiegt das schwerer als anderswo.
Preis: 66/100
Der Herkunftstest liegt bei rund 99 €, das Paket mit Gesundheitsauswertung bei etwa 199 € (geprüft am 26.07.2026). Für die Gesundheitsvariante ist das der höchste Preis im Vergleich. Angesichts der Analysetiefe ist er nachvollziehbar — im Verhältnis zum Datenschutz-Risiko fällt die Rechnung für viele trotzdem ungünstig aus.
Service: 70/100
Ergebnisse kommen nach drei bis vier Wochen. Die Aufbereitung ist gut gemacht und verständlich. Abzüge gibt es für den Support und dafür, dass die deutschsprachige Betreuung nicht das Niveau der auf Europa ausgerichteten Anbieter erreicht.
Rechtlicher Hinweis für Deutschland
Genetische Untersuchungen zu medizinischen Zwecken dürfen in Deutschland nach § 7 Gendiagnostikgesetz nur von Ärztinnen und Ärzten veranlasst werden; für vorhersagende Untersuchungen schreibt § 10 GenDG zusätzlich eine genetische Beratung vor. Direktanbieter aus dem Ausland liefern Gesundheitsauswertungen ohne diese ärztliche Einbindung. Rechtlich ist das eine Grauzone — praktisch bedeutet es, dass du Zahlen ohne fachliche Einordnung bekommst. Bei konkreter familiärer Vorbelastung ist der Weg über eine humangenetische Beratungsstelle der bessere, und häufig übernimmt die Krankenkasse die Kosten.
Für wen geeignet — und für wen nicht
Geeignet, wenn dich gesundheitsbezogene Genetik ernsthaft interessiert, du die Ergebnisse einordnen kannst und du die Datenverwendung bewusst steuerst.
Nicht geeignet, wenn dir Datenschutz wichtig ist — dann ist EasyDNA mit 95 Punkten die Gegenposition. Und nicht geeignet als Ersatz für eine ärztliche Abklärung.
Häufige Fragen
Sind meine Daten nach der Insolvenz noch sicher?
Die Datenbank ging im Juli 2025 an das gemeinnützige TTAM Research Institute über, das zugesagt hat, die bestehende Datenschutzrichtlinie einzuhalten. Löschung, Forschungs-Widerspruch und Probenvernichtung bleiben möglich. Wer unsicher ist, kann genau diese drei Rechte jederzeit ausüben.
Kann ich der Nutzung meiner Daten für Forschung widersprechen?
Ja. Die Zustimmung ist freiwillig und widerrufbar. Prüfe die Einstellung aktiv — verlass dich nicht auf die Voreinstellung.
Ersetzt der Gesundheitstest eine ärztliche Untersuchung?
Nein. Ein erhöhtes genetisches Risiko ist keine Diagnose, und ein unauffälliges Ergebnis ist kein Freibrief. Bei den meisten Volkskrankheiten tragen sehr viele Genvarianten jeweils nur wenig bei — Lebensstil, Umwelt und Zufall bleiben mindestens ebenso wichtig.
Quellen
- TTAM Research Institute schließt Übernahme der 23andMe-Vermögenswerte ab (14.07.2025) · 23andMe / TTAM Research Institute · abgerufen am 29.7.2026
- Wissenschaft und Testverfahren (CLIA-zertifiziertes Labor) · 23andMe · abgerufen am 29.7.2026
- Gendiagnostikgesetz (GenDG) §§ 7, 10 · Bundesministerium der Justiz · abgerufen am 29.7.2026
Preise und Anbieterangaben ändern sich. Wenn dir etwas Veraltetes auffällt, schreib uns an info@dnatest.de.