Anbieter-Test

23andMe im Test

Feine Herkunftsanalyse · in DE ohne Gesundheitsberichte

68
/ 100

Bewertung im Detail

Genauigkeit88
Datenschutz48
Preis66
Service70

Vorteile

  • Sehr feine Herkunftsanalyse
  • Hohe Analysequalität

Nachteile

  • Datenschutz historisch kritisiert
  • In Deutschland keine Gesundheitsberichte
  • Bestellung nur in US-Dollar

Angebote

Herkunft & Ahnen
ab 119 US$
Preis geprüft am 14.10.2026
Zum Anbieter →

23andMe im Test: feine Herkunftsanalyse, kritisch beim Datenschutz

Von Redaktion dnatest.de, Genetik & Verbraucherschutz · aktualisiert 14.10.2026

Fazit

23andMe liefert eine sehr feine Herkunftsanalyse aus einem Labor, das nach US-Klinikstandard zertifiziert ist. Die Gesundheitsberichte, für die der Anbieter bekannt ist, bekommen Käufer in Deutschland allerdings nicht — hier gibt es nur den Herkunftstest, bestellt in US-Dollar. Mit 68 von 100 Punkten steht 23andMe auf dem letzten Platz, und der Hauptgrund ist der Datenschutz: 48 Punkte, der schlechteste Wert im Test. Wer hier bestellt, sollte die Einstellungen zur Datenverwendung aktiv steuern und die Vorgeschichte kennen.

Wie wir bewerten

Unsere Gesamtnote setzt sich aus vier Teilnoten zusammen: Genauigkeit und Datenschutz zählen je 30 %, Preis und Service je 20 %. Was in jede Note einfließt, steht offen auf unserer Methodik-Seite. Wir betreiben kein eigenes Labor und verschicken keine Kits — wir prüfen öffentlich belegbare Angaben, Preise und Datenschutzbedingungen und ordnen sie ein.

Insolvenz und Verkauf: was 2025 passiert ist

Das ist der wichtigste Teil dieses Tests. 23andMe meldete 2025 Insolvenz nach Chapter 11 an. Am 14. Juli 2025 wurden die Vermögenswerte — einschließlich der genetischen Datenbank — vom TTAM Research Institute übernommen, einer gemeinnützigen Organisation, die von der früheren 23andMe-Chefin Anne Wojcicki gegründet wurde. TTAM hat zugesagt, die bestehende Datenschutzrichtlinie einzuhalten; die Möglichkeiten, Daten zu löschen, der Forschungsnutzung zu widersprechen und die Vernichtung der Probe zu verlangen, bestehen weiter. Der Dienst läuft normal.

Warum wir das so ausführlich schreiben: Der Vorgang hat eine Frage beantwortet, die vorher hypothetisch klang. Eine genetische Datenbank ist ein Vermögenswert. Geht ein Unternehmen insolvent, wird sie Teil der Insolvenzmasse — und wer sie am Ende bekommt, entscheidet ein Gericht, nicht die Menschen, deren DNA darin liegt. Im konkreten Fall ist das Ergebnis vergleichsweise gutartig ausgefallen. Garantiert war das nicht.

Das ist kein Argument gegen DNA-Tests. Es ist ein Argument dafür, die Frage „wo liegen diese Daten und wer könnte sie eines Tages besitzen?" vor der Bestellung zu stellen — und genau deshalb gewichten wir Datenschutz mit 30 %.

Genauigkeit: 88/100

Technisch stark. Die Analyse läuft in einem CLIA-zertifizierten und CAP-akkreditierten Labor — der US-Standard für klinische Laboratorien. Die Herkunftsanalyse ist mit einer sehr großen Zahl unterschiedener Regionen die feinste im Vergleich.

Zum Gesundheitsteil, für den 23andMe vor allem bekannt ist: In Deutschland wird er nicht verkauft (mehr dazu unter „Preis“). Wer davon liest, sollte die Einordnung trotzdem kennen: Ein Teil der Berichte erfüllt die Anforderungen der US-Behörde FDA für genetische Gesundheitsrisiken, ein anderer Teil beruht auf 23andMe-eigener Forschung und ist von der FDA nicht geprüft. Beide erscheinen im selben Interface, haben aber nicht denselben Prüfstatus.

Datenschutz: 48/100 — die schlechteste Note im Test

Die Daten liegen in den USA. Ein großer Teil der Kundschaft stimmt der Forschungsnutzung zu; aggregierte, pseudonymisierte Daten werden mit Pharmaunternehmen geteilt. Das ist rechtlich sauber und wird transparent kommuniziert — aber es ist ein Geschäftsmodell, bei dem deine Daten Teil des Produkts sind, nicht nur Gegenstand der Dienstleistung.

Praktisch heißt das: Die Zustimmung zur Forschung ist optional und lässt sich widerrufen. Wenn du 23andMe nutzt, geh die Datenschutzeinstellungen einmal bewusst durch, statt die Voreinstellungen zu übernehmen. Löschung des Kontos, Widerspruch gegen die Forschungsnutzung und Vernichtung der Probe sind drei getrennte Vorgänge.

Ein Punkt, der über dich hinausgeht: Deine DNA verrät auch etwas über Eltern, Geschwister und Kinder, die nie gefragt wurden. Bei einem Anbieter mit dieser Datenverwertung wiegt das schwerer als anderswo.

Preis: 66/100

Wichtig für Käufer in Deutschland: 23andMe verkauft hierzulande nur den Herkunftstest, über den internationalen Shop für 119 US-Dollar. Das Paket mit Gesundheitsberichten gibt es nur in Dänemark, Finnland, Irland, Schweden und den Niederlanden; wer aus Deutschland bestellt, bestätigt an der Kasse ausdrücklich, keine Gesundheitsberichte zu erhalten (geprüft am 14.10.2026). Damit entfällt hier genau der Teil, der 23andMe von den anderen Anbietern abhebt — der Datenschutz-Nachteil bleibt.

Service: 70/100

Ergebnisse kommen nach drei bis vier Wochen. Die Aufbereitung ist gut gemacht und verständlich. Abzüge gibt es für den Support und dafür, dass die deutschsprachige Betreuung nicht das Niveau der auf Europa ausgerichteten Anbieter erreicht.

Rechtlicher Hinweis für Deutschland

Genetische Untersuchungen zu medizinischen Zwecken dürfen in Deutschland nach § 7 Gendiagnostikgesetz nur von Ärztinnen und Ärzten veranlasst werden; für vorhersagende Untersuchungen schreibt § 10 GenDG zusätzlich eine genetische Beratung vor. 23andMe verkauft seine Gesundheitsberichte nach Deutschland gar nicht: Der hiesige Shop liefert nur Herkunfts- und Merkmalsberichte sowie die unausgewerteten Rohdaten. Andere Direktanbieter aus dem Ausland liefern Gesundheitsauswertungen ohne ärztliche Einbindung. Rechtlich ist das eine Grauzone — praktisch bedeutet es, dass du Zahlen ohne fachliche Einordnung bekommst. Bei konkreter familiärer Vorbelastung ist der Weg über eine humangenetische Beratungsstelle der bessere, und häufig übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

Für wen geeignet — und für wen nicht

Geeignet, wenn dich eine sehr fein aufgelöste Herkunftsanalyse interessiert, dich die Bestellung in US-Dollar nicht stört und du die Datenverwendung bewusst steuerst.

Nicht geeignet, wenn du Gesundheitsberichte suchst: Die verkauft 23andMe nach Deutschland nicht. Und nicht geeignet, wenn dir Datenschutz wichtig ist — dann ist EasyDNA mit 95 Punkten die Gegenposition.

Häufige Fragen

Sind meine Daten nach der Insolvenz noch sicher?

Die Datenbank ging im Juli 2025 an das gemeinnützige TTAM Research Institute über, das zugesagt hat, die bestehende Datenschutzrichtlinie einzuhalten. Löschung, Forschungs-Widerspruch und Probenvernichtung bleiben möglich. Wer unsicher ist, kann genau diese drei Rechte jederzeit ausüben.

Kann ich der Nutzung meiner Daten für Forschung widersprechen?

Ja. Die Zustimmung ist freiwillig und widerrufbar. Prüfe die Einstellung aktiv — verlass dich nicht auf die Voreinstellung.

Bekomme ich bei 23andMe in Deutschland Gesundheitsberichte?

Nein. Für Deutschland verkauft 23andMe nur den Herkunftstest mit Merkmalsberichten und Rohdaten, und an der Kasse bestätigst du ausdrücklich, keine Gesundheitsberichte zu erhalten (geprüft am 14.10.2026). Das Paket mit Gesundheitsberichten ist auf Dänemark, Finnland, Irland, Schweden und die Niederlande beschränkt. Unabhängig davon gilt: Ein erhöhtes genetisches Risiko ist keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Abklärung.

Quellen

  1. TTAM Research Institute schließt Übernahme der 23andMe-Vermögenswerte ab (14.07.2025) · 23andMe / TTAM Research Institute · abgerufen am 29.7.2026
  2. Wissenschaft und Testverfahren (CLIA-zertifiziertes Labor) · 23andMe · abgerufen am 29.7.2026
  3. Gendiagnostikgesetz (GenDG) §§ 7, 10 · Bundesministerium der Justiz · abgerufen am 29.7.2026
  4. Shop für Australien, Deutschland & EU: nur Herkunftstest (119 US$), keine Gesundheitsberichte · 23andMe · abgerufen am 14.10.2026

Preise und Anbieterangaben ändern sich. Wenn dir etwas Veraltetes auffällt, schreib uns an info@dnatest.de.